Dogma95

Lars von Trier und warum ich seine Filme mittlerweile richtig gut finde

Was macht heutzutage einen guten Film aus?

Diese Frage scheinen viele verantwortliche in der Filmindustrie leider nicht mit Handlung und schauspielerischer Leistung zu beantworten. Da scheint es eher wichtig zu sein, dass der Kunde durch 3D-Technik wieder ins Kino gebracht wird, da er dieses Erlebnis zu hause nicht haben kann. Da werden Millionen in Special-Effekts investiert, die im ersten Moment zwar imposant wirken und Eindruck machen, schnell jedoch auch wieder vergessen sind und vom nächsten Action-Blockbuster getoppt werden in dem nicht ein entführtes Flugzeug vom ehemaligen Sträfling im Alleingang gerettet wird und dann knapp aber sicher auf dem Las Vegas Strip landet, nein da müssen dann Naturgewalten ganz New York niedermähen und es reicht nicht mehr ein explodierendes und besiegtes Ufo sondern es müssen hunderte sein.

Was aber wenn in einem Film bewusst auf solche Effekte verzichtet und Handlung, die beteiligten Personen und das schauspielerische Können der darstellenden in den Vordergrund stellt? Ja was passiert wenn die Kamera nicht in einem perfekten Schwenk über dem zerstörten New York sondern wackelig wie eine Amateurvideokamera mit vielen auf der ersten Blick unruhig wirkenden Schnitten geführt wird? Auf den ersten Blick wirkt das befremdlich, auf den zweiten Blick ist es einem egal und auf den dritten lenkt es die Aufmerksamkeit wirklich direkt auf das wesentliche des Filmes.

Diese Erfahrung habe ich auch gemacht als ich damals auf Arte die Serie Hospital der Geister verfolgte. Damals in meinem jugendlichen Wahn nach Horrorfilmen war mein Blick vielleicht noch ein anderer und ich konnte es nicht ertragen, dass man augenscheinlich auf den nächsten Splattereffekt so lange warten musste aber auch wenn dieser ausblieb fesselte mich die Serie jede Woche an den Fernseher. War es eben dieser Spannungsbogen der immer mehr gespannt wurde? Waren es die vielen schrägen Charaktere wie der schwedische Arzt Stig Helmer der am Ende jeder Folge seinen Frust über den dänischen Abschaum kundtun musste? War es die auch für eine Horrorserie ungewöhliche Handlung? Oder war es der Besserwisserische Typ am Ende jeder Folge, der die Handlung nochmals zusammenfasste und immer mehr zu wissen schien?

Auf jeden Fall blieb mir der Name dieses Typen im Kopf: Lars von Trier.

Vor einiger Zeit besann ich mich meiner Erinnerung als ich den Film Dogville mit Nicole Kidman im Ladenregal sah. Auch dieser Film weiß zu begeistern. In bewusst minimalistisch gehaltener Kulisse, die eher an ein Theaterstück erinnert wird die Geschichte der jungen Grace erzählt. Diese findet auf der Flucht Zuflucht in dem kleinen Örtchen Dogville. Und auch wenn alle Bewohner des Dorfes Ihre Hilfe zunächst nicht annehmen wollen, so fangen Sie doch nach und nach an das Abhängigkeitsverhältnis auszunutzen.

So wuchst meine DVD-Sammlung in den letzten Monaten um einige Von-Trier-Filme an, darunter die DVD-Version von Geister, Dogville und dessen Nachfolger Manderlay und vor kurzen Idioten, Breaking the Wafes (die beide noch auf einen ruhigen Abend warten um in den DVD-Player zu wandern) und Dancer in the Dark mit der isländischen Sängerin Björk. Selten habe ich einen Film gesehen der so viel Gefühl herüberbringen konnte, der in der Handlung überraschen konnte und wo diese Handlung auch zum Nachdenken anregen kann, nein die einem quasi zum Nachdenken zwingt.

Einer dieser Gedanken, die mir am Ende des Filmes kommen musste: War das jetzt ein Happy End oder nicht? Aber diese Entscheidung lasse ich jeden, der den Film selber mal sehen wird, ich kann ihn und alle anderen hier erwähnten Filme nur jeden ans Herz legen.

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