Film

Film geguckt: Die Frau in Schwarz

Was braucht ein klassischer Horrorfilm? Einsamkeit, Dunkelheit ggf. gepaart mit Nebel, beklemmende Musik, einen weltmännischen Fremden, der in einer abgelegenen Gegend aufschlägt und das am besten wenn er eh gerade nicht in einer seelischen Verfassung ist, die man als fröhlich beschreiben mag?

All das bietet der 2012 erschienen britische Horrorfilm "Die Frau in Schwarz", also recht bekannte Zutaten des Genres. Auf der Klaviatur dieser Zutaten wird aber wirklich fast perfekt gespielt und auch erfahrene Zuschauer werden das ein oder andere Mal zusammenzucken.

Die Szenerie ist schnell beschrieben: Arthur Kipps, ein junger Anwalt aus London zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Nachdem seine Frau bei der Geburt des Sohnes verstarb, versteift er sich in Trauer und Depressionen. Auch seinem mittlerweile vierjährigen Sohn fällt dies zunehmend auf und darüber hinaus leidet seine Arbeit so sehr darunter, dass sein Boss ihn vor die Wahl stellt: Entweder er übernimmt den Job, den Nachlass der verstorbenen Alice Drablow zu regeln und hierzu die Unterlagen im abgelegenen Eel Marsh House zu sichten oder er wird entlassen. Nach einer Bahnfahrt in das Küstendorf Crythin Gifford begegnet man ihn dort zunächst mit Ablehnung und möchte den fremden Gast am liebsten sofort zurück nach London schicken, doch dieser lässt sich nicht beirren und begibt sich durch die Marsch zum Haus. Nach seltsamen Begegnungen und Vorkommnissen stirbt bei seiner Rückkehr im Dorf ein Kund auf tragische Weise. Die Dorfbewohner machen natürlich Kripps Anwesenheit dafür verantwortlich und so langsam beginnen sich für diesen und für den Zuschauer die Hintergründe aufzuschlüsseln.

Daniel Radcliffe zeigt, dass er den Typus traurig, depressiv gut spielen kann, hier meiner Meinung nach angebrachter als in den letzten Harry Potter Filmen. Was ich ihm vielleicht nicht ganz abnehmen möchte ist die Rolle des Vaters, das mag aber daran liegen, dass ich ihn immer noch mehr als Zauberlehrling im Kopf habe und sich somit das "zu jung" für eine Vaterrolle ein wenig eingebrannt hat.

Der Film wirkt in seinen Bildern sehr authentisch und bedrückend, auch wenn, wie bereits oben beschrieben, größtenteils mit den bekannten Zutaten des Genres gekocht wird reißt der Spannungsbogen selten ab und auch wenn man natürlich bei tiefen, herzschlagähnlichen Basswummern weiß, da kommt gleich was, erschrickt man sich das ein oder andere mal.

Fazit: Klassischer Horrorfilm, spannend und gut gemacht. Bitte bei Kerzenschein im ansonsten abgedunkelten Raum ansehen.

Metropolis aus heutiger Sicht betrachtet

Am letzten Freitag strahlte ARTE live von der Berlinale die Premiere der restaurierten Fassung des Filmes Metropolis aus.

Ich muss zugeben: Vor diesem Artikel auf heise.de wusste ich nichts über den Film, doch der Artikel brachte mich dazu, den Film anzusehen. Groß war die Neugierde: Wie waren die Zukunftsvisionen 1927? Wie stellte man sich 1927 die Gesellschaftsprobleme der Zukunft vor? Welche Aussagen wollte man 1927 mit einem solch Epochalen Film transportieren.

Nach dem Ansehen des Filmes bliebt bei mir ein eher gemischtes Gefühl.

Pro:

  • Die Kulissen und Spezialeffekte waren wirklich beeindruckend, besonders wenn man sich vor Augen führt, dass solche Effekte damals viel mehr Material und Zeitaufwand bedeutet haben.
  • Die Technischen Visionen (Einschienenbahn, Mensch-Maschine) lassen mich auch aufgrund der bildlichen Umsetzung staunen
  • Die gesellschaftlichen Fragen halte ich auch heute noch für aktuell.
    • Die Abhängigkeit der Menschen von den Maschinen und die Abhängigkeit der Maschinen von den Menschen in der nicht der Mensch gibt den Takt vorgibt sondern die Technik.
    • Der Größenwahn der Menschen
    • Das Ausnutzen anderer Menschen für das eigene Wohlergehen
    • Die Bildung von Ghettos. Die Arbeiter werden in der Unterwelt eingesperrt, die Oberen sperren sich selber im Club der Söhne ein.

Contra:

  • Die doch etwas zu einfach gestrickte Handlung. Ich denke das auch hier wie bei vielen aktuellen Filmen ein (zu) großes Augenmerk auf die Technik und die Bildgewalt gelegt wurde. Der Gesellschaftskonflikt löst sich im Endeffekt dadurch, dass alle an einem Strang ziehen? Das Gehirn bleibt das Gehirn, die Hand bleibt die Hand und zwischen beiden vermittelt das Herz als Heilland?
  • Der im Film offen dargestellt Antisemitismus

Besonders die beiden letzten Punkte lassen mich grübeln. Angeprangert wird also die Gesellschaftsform in der das Hirn (Die herrschenden, denkenden) die Hände ausnutzt. Die Revolution (Marxismus) frisst aber anscheinend ihre Kinder und ist somit auch nicht das angestrebte Ziel.

Dann scheint der Erfinder Rotwang der moralische Verlierer zu sein. Diese Figur wird durch die Darstellung eines Davidsterns an seiner Haustür und in seinem Labor eindeutig als Jude gekennzeichnet und die damals klischeehaften Vorurteile gegenüber Juden auf ihn angewendet. Er ist clever, hinterhältig, erschafft den Mensch-Maschine als genaues Abbild des Menschen, spielt somit also Gott und lässt diese für sich so arbeiten, dass der Untergang Metropolis eingeleitet werden soll.

Ich frage mich an dieser Stelle, ob dies einfach nur ein Stilmittel war. Im Stummfilm konnte man ja keine Sprache verwenden um jemanden Eingenschaften "in den Mund zu legen" und hat deshalb vielleicht die damals in der Gesellschaft vorhandenen Vorurteile ausgenutzt um einer Person diese Eigenschaften zu geben. Oder sollte dies evtl. doch dazu dienen diese Vorurteile auch noch zu festigen, seine personalisierte Meinung über Menschen jüdischen Glaubens auszudrücken.

Je weiter ich diese Gedanken verfolge, desto mehr Angst bekomme ich vor der heutigen Gesellschaft. Der Antisemitismus war keine Erfindung der Nationalsozialisten sondern in der europäischen Gesellschaft seit Jahrhunderten in verschiedensten Ausprägungen vorhanden. Und wenn ich dann überlege, welche verschiedenen Ausprägungen dabei zum Vorscheinen kamen, von der pauschalisierten Zuordnung von Charaktereigenschaften aufgrund des Glaubens, über gesellschaftliche Ausgrenzung und Ächtung aufgrund des Glaubens bis zum systematischen Massenmord an Millionen Menschen.

Nein, ich kann dies nicht gutheißen, weder als Stilmittel noch, und das ganz besonders, als Vorurteilsbildende oder festigende Aussage im Film.

Um darauf zurückzukommen warum ich vor der heutigen Gesellschaft Angst habe: Auch heute begegnet man immer wieder plumpen Vorurteilen die Mitglieder einer Personengruppe über einen Kamm scheren. Sei es aufgrund des persönlichen Gesellschaftstatuses ("Der faule Arbeitslose" oder abgemildert “Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein.”), des Berufes ("der raffgierige Banker"), der Hautfarbe, des Glaubens oder des Vaterlandes.

Alle Menschen sind Individuen und jeder bildet seine Charaktereigenschaften meiner Meinung nach nur durch die Einflüsse in seiner näheren Umgebung aus. Besonders im Kindesalter.

Lars von Trier und warum ich seine Filme mittlerweile richtig gut finde

Was macht heutzutage einen guten Film aus?

Diese Frage scheinen viele verantwortliche in der Filmindustrie leider nicht mit Handlung und schauspielerischer Leistung zu beantworten. Da scheint es eher wichtig zu sein, dass der Kunde durch 3D-Technik wieder ins Kino gebracht wird, da er dieses Erlebnis zu hause nicht haben kann. Da werden Millionen in Special-Effekts investiert, die im ersten Moment zwar imposant wirken und Eindruck machen, schnell jedoch auch wieder vergessen sind und vom nächsten Action-Blockbuster getoppt werden in dem nicht ein entführtes Flugzeug vom ehemaligen Sträfling im Alleingang gerettet wird und dann knapp aber sicher auf dem Las Vegas Strip landet, nein da müssen dann Naturgewalten ganz New York niedermähen und es reicht nicht mehr ein explodierendes und besiegtes Ufo sondern es müssen hunderte sein.

Was aber wenn in einem Film bewusst auf solche Effekte verzichtet und Handlung, die beteiligten Personen und das schauspielerische Können der darstellenden in den Vordergrund stellt? Ja was passiert wenn die Kamera nicht in einem perfekten Schwenk über dem zerstörten New York sondern wackelig wie eine Amateurvideokamera mit vielen auf der ersten Blick unruhig wirkenden Schnitten geführt wird? Auf den ersten Blick wirkt das befremdlich, auf den zweiten Blick ist es einem egal und auf den dritten lenkt es die Aufmerksamkeit wirklich direkt auf das wesentliche des Filmes.

Diese Erfahrung habe ich auch gemacht als ich damals auf Arte die Serie Hospital der Geister verfolgte. Damals in meinem jugendlichen Wahn nach Horrorfilmen war mein Blick vielleicht noch ein anderer und ich konnte es nicht ertragen, dass man augenscheinlich auf den nächsten Splattereffekt so lange warten musste aber auch wenn dieser ausblieb fesselte mich die Serie jede Woche an den Fernseher. War es eben dieser Spannungsbogen der immer mehr gespannt wurde? Waren es die vielen schrägen Charaktere wie der schwedische Arzt Stig Helmer der am Ende jeder Folge seinen Frust über den dänischen Abschaum kundtun musste? War es die auch für eine Horrorserie ungewöhliche Handlung? Oder war es der Besserwisserische Typ am Ende jeder Folge, der die Handlung nochmals zusammenfasste und immer mehr zu wissen schien?

Auf jeden Fall blieb mir der Name dieses Typen im Kopf: Lars von Trier.

Vor einiger Zeit besann ich mich meiner Erinnerung als ich den Film Dogville mit Nicole Kidman im Ladenregal sah. Auch dieser Film weiß zu begeistern. In bewusst minimalistisch gehaltener Kulisse, die eher an ein Theaterstück erinnert wird die Geschichte der jungen Grace erzählt. Diese findet auf der Flucht Zuflucht in dem kleinen Örtchen Dogville. Und auch wenn alle Bewohner des Dorfes Ihre Hilfe zunächst nicht annehmen wollen, so fangen Sie doch nach und nach an das Abhängigkeitsverhältnis auszunutzen.

So wuchst meine DVD-Sammlung in den letzten Monaten um einige Von-Trier-Filme an, darunter die DVD-Version von Geister, Dogville und dessen Nachfolger Manderlay und vor kurzen Idioten, Breaking the Wafes (die beide noch auf einen ruhigen Abend warten um in den DVD-Player zu wandern) und Dancer in the Dark mit der isländischen Sängerin Björk. Selten habe ich einen Film gesehen der so viel Gefühl herüberbringen konnte, der in der Handlung überraschen konnte und wo diese Handlung auch zum Nachdenken anregen kann, nein die einem quasi zum Nachdenken zwingt.

Einer dieser Gedanken, die mir am Ende des Filmes kommen musste: War das jetzt ein Happy End oder nicht? Aber diese Entscheidung lasse ich jeden, der den Film selber mal sehen wird, ich kann ihn und alle anderen hier erwähnten Filme nur jeden ans Herz legen.

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